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Nachruf Walter Lechler

Am 4. Advents-Sonntag, den 22. Dezember 2013, ist Dr. Walther Lechler im gesegneten Alter von 90 Jahren gestorben.
Walther war ein Arzt im besten Sinn des Wortes, der nicht nur vielen Menschen ein Lehrer, Helfer und Begleiter war, sondern auch sich selbst mit großer Offenheit und Berührbarkeit immer wieder auf Neues eingelassen hat. Ehrlichkeit, Offenheit und Bereitschaft zu neuen Erfahrungen waren für Walther wesentlich, um die eigene Geschichte wieder finden zu können.
Von 1971 bis 1988, in seiner Zeit als Chefarzt der sozio-psychosomatischen Klinik im Ortsteil Kullenmühle in Bad Herrenalb, begründete Walther das Bad Herrenalber Modell. Hier verwirklichte er seine Lebensschule, wo das Sich-Einlassen auf Begegnung im Mittelpunkt stand. Er verwendete das Wortspiel “im Leben lebend, leben lernen“, um diese Lebensschule zu beschreiben und prägte Begriffe wie “Hilfe zur Selbsthilfe”, “Sprache des Herzens”, “Un-Sinn”, “sobria ebrietas – nüchterne Trunkenheit”, “ansteckende Gesundheit” etc.
Während seines Aufenthaltes in Amerika hatten ihn seine persönlichen spirituellen Erfahrungen bei den Anonymen Alkoholikern tief geprägt. Dort lernte er auch die humanistische Psychologie kennen. “Über diese Erfahrungen entstand in mir mehr und mehr der Gedanke und die Einstellung, dass alles Kranke im Grunde Ausfluss einer ungenügenden, unzureichenden Haltung dem Leben gegenüber ist. So wuchs in mir mehr und mehr der Gedanke, dass es weniger um Behandeln geht, sondern eine Ausbildung für das Leben erfolgen muss.” (Dr. Walther Lechler). Aus diesen persönlichen Erfahrungen heraus wurde die Lehr- und Lern-Gemeinschaft und das 12- Schritte-Programm zu einem wesentlichen Bestandteil der Lebensschule.
1969 hatte er im Zusammenhang mit der Einrichtung Daytop den amerikanischen Arzt und Psychoanalytiker Dr. Daniel Casriel kennengelernt. Casriel hatte mit seinem New Identity Process (später umbenannt in Bonding-Psychotherapie) eine Methode entdeckt, die es ermöglichte, das Unaussprechliche in uns zum Ausdruck zu bringen. Walters Erfahrungen bei Dan sollten ein zusätzlicher Baustein dieser Lebensschule werden. Den Begriff Bonding, der ursprünglich aus der Säuglingsforschung übernommen wurde, verstand er dabei in einem weiten und umfassenden Sinn. “Das Wort Bonding bedeutet auch Liebe, Leben, Nähe, Vertrauen, Hingabe, Fähigkeit, und wenn wir durch alle menschlichen Beziehungen hindurchgegangen sind, dann bedeutet es auch Glaube und unseren unmittelbaren Bezug zu Gott. Und in diesem Bonding ist auch ausgedrückt, dass wir biologisch, körperlich, anatomisch, so wie wir miteinander jetzt leben, angelegt sind auf die Erfüllung unserer Bedürfnisse, der ursprünglichsten Bedürfnisse, nämlich satt zu werden und zwar nicht nur, wie wir es im Körperlichen erleben, sondern innerlich satt.” (Dr. Walther Lechler)
Walther erkannte früh die heilende Kraft der Gemeinschaft. Einer seiner Lieblingssprüche war „Der Mensch ist des Menschen Medizin“. In seiner Lehr- und Lern- Gemeinschaft war die Begegnung daher von zentraler Bedeutung. “Eine Lebensschule ist für mich ein Ort, an dem Menschen, die Lebenshilfe brauchen, mehr finden können als Anwendungen oder Behandlungen, wie Therapien von den Krankenkassen genannt werden. Ein Ort, wo Hilfesuchende mit dem eigentlichen Leben in Kontakt kommen und ihr wahres Selbst finden können. Wo der Therapeut ein Begleiter, Zeuge und Mut-Macher ist und der Patient ein Lernender. Ein Schüler, der bis dahin nicht die Möglichkeit gehabt hat zu lernen, was er zu einem erfüllten Leben gebraucht hätte. Ein Neugieriger auch, der Neues erfahren will. So wie wir alle unser Leben lang Lernende bleiben, wenn wir nicht bereits innerlich gestorben sind. Wo Menschen sich gegenseitig ermutigen in einem Lernprozess, in dem der Mitmensch und Freund heilsam ist, der mit uns in einer existentiellen Not ein Stück Weg geht. Damit wir selber die Antworten finden können, die wir brauchen, um uns verantwortlich als Erwachsene dem Leben mit seiner enormen Vielseitigkeit mit unserer ganzen Potenz zu stellen.” (Dr. Walther Lechler)
Walther war ein großer Geschichtenerzähler und so möchten wir hier mit einer Sufi-Geschichte enden, die er gerne als Beispiel genommen hat für das, worum es bei einer nachhaltigen Genesung eigentlich geht. “Es war einmal, dass der Mullah einen erfolgreichen Weg fand, seine Lebensgrundlage zu bestreiten: nämlich durch Schmuggel. Jede Woche überschritt er einmal die Grenze zwischen Persien und Griechenland mit zwei Eseln, beladen mit jeweils einem großen Ballen Stroh. Jedesmal, wenn er die Grenze überschritt, durchsuchten die Zollbeamten ihn und die Last der Esel – fanden jedoch nur Stroh. Der Mullah wurde allerdings reicher und reicher, was jeder wusste. Und Woche für Woche versuchten die Zollbeamten verzweifelter etwas zu finden, aber alles war umsonst – sie fanden nichts. Viele Jahre danach zog sich der Mullah in den Ruhestand nach Ägypten zurück. Ein ehemaliger Zollbeamter besuchte ihn dort und stellte die Frage: „Mein lieber Mullah, wir wussten genau, dass Du auf deinen Reisen zwischen Persien und Griechenland irgendetwas geschmuggelt hast, während all dieser Jahre. Jetzt, wo du in Sicherheit bist und außerhalb der Gefahrenzone, kannst Du mir nicht sagen, was du die ganze Zeit geschmuggelt hast?” “Ja, mein Freund”, sagte der Mullah, “Jetzt, wo du genauso frei und befreit bist von deiner Verantwortung, kann ich dir sagen, dass ich Esel geschmuggelt habe!”
Walther kommentiert diese Geschichte in dem Sinne, dass es dem Sufi um die Wandlung der Person geht, die zu ihm kommt. Dies bedeutet, die Unterweisung für die Seele in einen Menschen hineinzuschmuggeln, während das Bewusstsein in die andere Richtung schaut.
Walther war ein großherziger Lehrer, Mentor und Begleiter für alle, die das Glück hatten, von ihm lernen zu dürfen. Mit großer Dankbarkeit und Zuneigung bleiben wir ihm auch über den Tod hinaus verbunden.
Jeff und Julia Gordon
Die Zitate stammen aus: “Von mir aus nennt es Wahnsinn” (Dr.Lechler/J.Lair) und “Wach auf und Lebe!” (Dr. Lechler/A. Meier)


Nachruf Martina Weis

Nach kurzer schwerer Erkrankung ist Martina, die erste Vorsitzende unseres Vereins, plötzlich, unerwartet und viel zu früh verstorben. Wir sind schockiert und zutiefst traurig, denn wir haben einen wunderbaren Menschen verloren.
Martina war seit der Gründung im Jahre 2005 Mitglied in unserem Verein und beteiligte sich engagiert an der Aufbauarbeit. Anfangs war sie in der Funktion als Schriftführerin im Vorstand tätig, ehe sie im Sommer 2006 die Funktion als erste Vorsitzende übernahm. In den folgenden Jahren wurden unter ihrer Leitung die Aktivitäten des Vereins erheblich erweitert. Nach dem Umbau des Internetauftritts, den Martina auch anschließend ständig begleitete und moderierte, wurden vor allem die regelmäßigen Treffen im Sinne des Herrenalber Modells aufgebaut. Zu den Treffen in der Klinik kamen das Treffen im Kloster Burlo, die Fortführung des Pfingsttreffens, nachdem dieses von der Klinik aufgegeben worden war, und die programmatische Übernahme der Treffen in Rastatt in jedem Frühjahr.
Es waren Martinas Einsatz und ihr unermüdliches ehrenamtliches Wirken, das diese Entwicklung möglich machte. Gleichzeitig war sie mit der Betreuung der Homepage auch der erste Ansprechpartner für alle Mitglieder und Interessenten. Sie vertrat die Grundgedanken des Herrenalber Modells mit einer Hingabe und Überzeugung, die aus der eigenen guten Erfahrung gespeist waren.
Unser Verein hat einen liebenswerten Menschen verloren, aber auch eine hoch engagierte Vorsitzende, die den Verein wesentlich geprägt hat. Zuletzt hatte sie mit viel Vorfreude noch das Treffen im Kloster Burlo vorbereitet und hatte auf die Feier zum 10 jährigen Bestehen des Vereins im nächsten Jahr hin gefiebert.
Liebe Martina, wir werden die Arbeit im Verein fortsetzen und wir werden dein Wirken immer in guter Erinnerung bewahren. Aber wir vermissen dich und dein Lachen, dein Engagement, deine konstruktiven Vorschläge und alles, was Du dazu getan hast, schon jetzt schmerzlich. Das zeigt sich auch in der großen Betroffenheit und Anteilnahme, die aus dem Kreis der Mitglieder gekommen ist.
Wir sind dankbar, dich gekannt zu haben und mit dir ein Stück Leben gemeinsam gegangen zu sein, und wir sind dankbar für das Viele, was Du dazu beigetragen hast.
Rolf Krause
2. Vorsitzender
Ich habe einen sehr guten Freund verloren. Vielen Dank Martina, für über 20 Jahre intensive Freundschaft.
Christoph Stöhr – Webmaster, Forum Herrenalber Modell e.V.